Dr. Anda Radan rät Frauen, die schwanger werden möchten, den eigenen Zyklus gut zu beobachten und Geduld mitzubringen – auch bei optimalem Timing braucht es manchmal Zeit. Ein «Wundermittel», um die Fruchtbarkeit zu fördern, gibt es nicht.
Wie läuft der biologische Prozess der Empfängnis ab?
Der weibliche Zyklus dreht sich um den Eisprung (Ovulation), der etwa in der Mitte des Zyklus stattfindet. Dabei wird eine reife Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt und wandert durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter. Wird sie innerhalb von 24 Stunden von einem Spermium befruchtet, kann sie sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten – eine Schwangerschaft beginnt.
An welchen Tagen ist eine Schwangerschaft möglich?
Obwohl die Eizelle nur etwa 24 Stunden befruchtungsfähig ist, können Spermien bis zu fünf Tage im weiblichen Körper überleben. Dadurch gibt es ein fruchtbares Fenster von etwa fünf bis sechs Tagen pro Zyklus, in dem eine Schwangerschaft möglich ist.
Warum kann es dauern, bis eine Schwangerschaft eintritt?
Selbst wenn die fruchtbaren Tage optimal genutzt werden, kann es einige Monate dauern, bis eine Schwangerschaft eintritt. Die Gründe dafür sind hormonelle Schwankungen und Unregelmässigkeiten im Zyklus mit Variationen im Zeitpunkt des Eisprungs sowie allgemeine körperliche Faktoren wie zum Beispiel Stress.
Die Kombination mehrerer Methoden erhöht die Trefferquote für die fruchtbaren Tage.
PD Dr. med. Anda Radan
Wie kann ich die fruchtbaren Tage berechnen?
Wer die fruchtbaren Tage bestimmen möchte, kann auf verschiedene Methoden zurückgreifen:
Kalendermethode: Basierend auf der Zykluslänge werden die fruchtbaren Tage geschätzt – einfach, aber ungenau.
Temperaturmethode: Durch tägliches Messen der Basaltemperatur lässt sich der Eisprung rückblickend erkennen. Diese Methode wird oft mit der Zervixschleim-Methode kombiniert. Die Konsistenz des Zervixschleims verändert sich im Laufe des Zyklus – eine natürliche Möglichkeit, die fruchtbare Phase einzuschätzen.
Sogenannte Ovulationstests, die in Drogerien und Apotheken erhältlich sind, messen den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) im Urin und zeigen den Eisprung 24 bis 36 Stunden vorher an.
Die Zuverlässigkeit der Bestimmung der fruchtbaren Tage variiert je nach Methode: Während Ovulationstests eine Zuverlässigkeit von etwa 90 Prozent haben, sind natürliche Methoden wie die Kalendermethode mit etwa 70 Prozent weniger präzise. Eine Kombination mehrerer Methoden erhöht die Trefferquote.
Auch digitale Hilfsmittel wie Zyklus-Apps und smarte Thermometer helfen dabei, Muster im Zyklus zu erkennen und die fruchtbaren Tage besser einzuschätzen.