
Wohlbefinden | 29.5.2026
Der Mythos vom «Schlafhormon»: Wie Melatonin wirklich wirkt
Hormone wie Melatonin und Cortisol steuern im Zusammenspiel unseren biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus. Doch ist Melatonin wirklich der Schlüssel zu gutem Schlaf? Die Schlafforscherin Dr. Christine Blume gibt Auskunft – und empfiehlt andere Wege, den Schlaf zu verbessern.
«Die Vorstellung, den Melatonin-Haushalt und den Schlaf über die Ernährung steuern zu können, ist unrealistisch.»
Was sind «Schlafhormone»?
Botenstoffe wie Melatonin und Cortisol werden populärwissenschaftlich oft als «Schlafhormone» bezeichnet. Tatsächlich ist ihr komplexes Zusammenspiel für die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus zentral: Melatonin fördert den Schlaf, während Cortisol gegen Ende der Nacht das Aufwachen vorbereitet und am Tag für Wachheit sorgt.
«Melatonin ist jedoch kein ‘Schlafhormon’, sondern eigentlich ein ‘Dunkelhormon’», so Dr. Blume. Es führt nicht automatisch zum Schlaf – bei nachtaktiven Tieren hat es sogar den gegenteiligen Effekt und macht sie wach.
«Melatonin ist kein ‘Schlafhormon’, sondern eigentlich ein ‘Dunkelhormon’»
Wie wirkt Melatonin?
Melatonin wird nachts in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet. Etwa zwei bis drei Stunden vor der üblichen Zubettgehzeit steigt der Melatoninspiegel an. Melatonin signalisiert dem Körper, dass es Zeit zum Schlafen ist – und beeinflusst dabei auch die Körpertemperatur. «Die schlaffördernde Wirkung entsteht vermutlich vor allem dadurch, dass sich die kleinen Blutgefässe in Händen und Füssen weiten», erklärt Schlafforscherin Dr. Christine Blume. «Dadurch wird mehr Wärme abgegeben, die Körpertemperatur sinkt – und genau dieses Absinken ist entscheidend für Müdigkeit und Schlaf.»



