Melatonin spielt eine wichtige Rolle für den Schlaf. Ein Mangel an Melatonin ist jedoch nicht unbedingt die Ursache für Schlafprobleme. So gibt es Menschen, die gar kein Melatonin produzieren, zum Beispiel weil ihnen die Zirbeldrüse entfernt wurde. Oder weil bestimmte Medikamente die Produktion unterdrücken. «Diese Menschen schlafen nicht zwangsläufig schlecht», weiss die Expertin. «Auch die Tatsache, dass wir tagsüber ein Nickerchen machen können, obwohl wir kein Melatonin produzieren, zeigt, dass der Zusammenhang weniger stark ist als oft angenommen.»
Wie viel Melatonin jemand produziert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Normwerte für Melatonin gibt es nicht. Auch im Schlaflabor wird der Melatoninspiegel nur in Ausnahmefällen und auf Wunsch der Patientin oder des Patienten bestimmt – und zwar dann, wenn es darum geht, ob jemand ein extremer Spättyp («Eule») oder Frühtyp («Lerche») ist.
Banane, Kirschsaft, Walnüsse: Erhöhen bestimmte Lebensmittel die Melatonin-Produktion?
Obwohl Lebensmittel wie Bananen, Kirschsaft oder Walnüsse Melatonin enthalten, ist der Gehalt so gering, dass das enthaltene Melatonin keinen messbaren Einfluss hat. Dr. Blume nennt ein Beispiel: Um 1 Milligramm Melatonin aus Tomaten zu bekommen, müsste man etwa 68 Kilogramm Tomaten essen. Fazit: Die Vorstellung, den Melatonin-Haushalt und den Schlaf über die Ernährung steuern zu können, ist unrealistisch.
«Die Vorstellung, den Melatonin-Haushalt und den Schlaf über die Ernährung steuern zu können, ist unrealistisch.»