
Prävention/Krankheiten | 24.9.2026
Herzinfarkt vorbeugen – Expertentipps zur Prävention
Jährlich erleiden rund 30'000 Menschen in der Schweiz einen Herzinfarkt – Männer deutlich häufiger als Frauen. Viele Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen lassen sich jedoch aktiv beeinflussen – auch durch gezielte Vorsorge und regelmässige Check-ups. Kardiologe Dr. med. Peter Burger zeigt auf, wie Sie Ihr Herz wirksam schützen können.
Was ist ein Herzinfarkt?
Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn der Herzmuskel aufgrund einer plötzlichen Durchblutungsstörung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Hauptursache sind verengte Herzkranzgefässe durch sogenannte Plaques – Ablagerungen aus Cholesterin, Fett und Entzündungszellen.
Wenn eine solche Plaque aufbricht, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das betroffene Gefäss verschliessen kann. Die Sauerstoffzufuhr zum Herzmuskel wird unterbrochen – es kommt zum Herzinfarkt. Hält die Blockade länger an, stirbt das betroffene Gewebe ab (Nekrose). «Im Infarktbereich wird der zerstörte Herzmuskel durch Bindegewebe ersetzt, das sich nicht mehr zusammenziehen kann», erklärt Dr. Peter Burger. «Ist ein grösseres Areal betroffen, kann daraus eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entstehen. Bei schweren Infarkten drohen Kreislaufversagen oder ein plötzlicher Herzstillstand – jede Minute zählt.»
Herzinfarkt: Typische Symptome erkennen
Ein Herzinfarkt äussert sich häufig durch starke Brustschmerzen oder ein Druckgefühl, das in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen kann. Atemnot, Engegefühl, Schwäche und kalter Schweiss sind weitere Warnzeichen.
Frauen zeigen oft «atypische» Symptome wie Übelkeit, Bauch- oder Rückenschmerzen, Schwindel oder Angstzustände, erklärt Kardiologe Dr. Peter Burger.
Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt zählen:
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Rauchen
- Familiäre Vorbelastung
Die gute Nachricht: «Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko deutlich senken», erklärt Dr. Peter Burger. Regelmässige körperliche Aktivität zum Beispiel wirkt sich positiv auf fast alle Risikofaktoren aus.»
Herzinfarkt-Prävention in aller Kürze:
- Rauchen am besten aufgeben oder reduzieren: je weniger, desto besser
- Alkoholkonsum einschränken – maximal 1 Glas pro Tag (ca. 100 g Alkohol pro Woche)
- Ausgewogene, herzgesunde Ernährung
- Stress abbauen
- Genügend bewegen
- Ausreichend schlafen

Herzinfarkt mit Sport vorbeugen
Regelmässige Bewegung ist eine der wirksamsten Strategien zur Herzinfarkt-Vorbeugung. Sie hilft, den Blutdruck zu senken, das Körpergewicht zu regulieren und das Bauchfett zu reduzieren, den Blutzucker zu stabilisieren und die Cholesterinwerte zu verbessern – zusätzlich stärkt sie auch das mentale Wohlbefinden.
«Die aktuellen Empfehlungen der kardiologischen Fachgesellschaften raten zu mindestens 30 bis 60 Minuten körperlicher Aktivität an fünf Tagen pro Woche – je mehr, desto besser», sagt Kardiologe Dr. Peter Burger. «Dabei muss es nicht immer Jogging oder Radfahren sein. Auch zügiges Spazierengehen, Schwimmen, Tanzen oder Gartenarbeit bringen den Kreislauf in Schwung.»
Wer intensiver trainiert, profitiert oft schon von zwei bis drei Einheiten pro Woche. Extremsport hingegen sollte je nach Gesundheitszustand individuell betrachtet werden. Eine ärztliche Einschätzung ist hier sinnvoll, vor allem bei Vorerkrankungen oder Risikofaktoren.
Herzinfarkt mit Ernährung vorbeugen
Was wir täglich essen, hat einen direkten Einfluss auf unsere Herzgesundheit. Eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung kann helfen, Cholesterin- und Blutdruckwerte zu senken, Entzündungen zu reduzieren und so das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich zu verringern. «Wir empfehlen eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und hochwertigen pflanzlichen Ölen. Tierische Fette, vor allem in Wurst, Butter oder fetten Milchprodukten, sollten hingegen möglichst reduziert werden», sagt Dr. Peter Burger.
Herzfreundliche Lebensmittel – das gehört auf den Teller:
- Ungesättigte Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch (z. B. Lachs, Makrele), Leinsamen, Walnüssen oder Rapsöl
- Frisches Gemüse und Früchte – idealerweise saisonal und regional
- Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte
- Hochwertige Pflanzenöle (z. B. Olivenöl) statt tierischer Fette
Besser vermeiden:
- Zu viel Salz – erhöht den Blutdruck
- Verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst
- Zuckerreiche Fertigprodukte und Softdrinks
- Transfette (z. B. in Fast Food oder Backwaren mit gehärteten Fetten)
Welche Auswirkung hat Stress auf das Herzinfarktrisiko?
Stress ist ein oft unterschätzter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch bei jungen Menschen. «Chronischer Stress fördert Entzündungsprozesse im Gefässsystem, erhöht den Blutdruck und begünstigt Stoffwechselstörungen wie Diabetes. All diese Faktoren belasten die Herzkranzgefässe und erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt», erklärt Dr. Peter Burger. Umso wichtiger ist es, Stress abzubauen.
Akuter Stress wiederum führt zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol – das lässt Blutdruck und Puls schnell ansteigen. Bei bereits vorgeschädigten oder instabilen Gefässablagerungen (Plaques) kann dies sogar einen plötzlichen Herzinfarkt auslösen.
Regelmässige Check-ups
Auch wer sich gesund fühlt, kann unbemerkt Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder einen gestörten Blutzuckerstoffwechsel haben. «Check-ups helfen, das persönliche Herzinfarkt-Risiko frühzeitig zu erkennen», erklärt Kardiologe Dr. Peter Burger. Zu den Vorsorgeuntersuchungen gehören:
- Blutdruckmessung
- Laboruntersuchungen (z. B. Cholesterin, Blutzucker)
- Analyse familiärer Vorbelastung
- Befragung zu Lebensstil und Beschwerden
Empfohlen sind diese Untersuchungen ab dem 40. Lebensjahr – oder früher, wenn Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie bestehen.
Bei Bedarf können weitere Untersuchungen wie ein Belastungstest oder eine Computertomographie der Herzkranzgefässe (Koronar-CT) durchgeführt werden. Damit lassen sich Verkalkungen oder Engstellen frühzeitig erkennen – oft noch bevor erste Symptome auftreten.
Ihr Herz aktiv schützen – mit Pulse
Herzinfarkt bei Frauen vorbeugen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten oft als Männerproblem – ein gefährlicher Irrtum. Herzinfarkte zählen auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen. «Insbesondere nach der Menopause steigt das Risiko deutlich an, da der natürliche Schutz durch Östrogene nachlässt. Das Herzinfarktrisiko gleicht sich dem der Männer an», erklärt Dr. Peter Burger.
Ein zentrales Problem: Frauen zeigen bei einem Herzinfarkt häufig andere Symptome als Männer. Dazu gehören:
- Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen
- Allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Schwächegefühl
- Übelkeit, Schwindel, Angstzustände
- Atypische Brustschmerzen (z. B. brennend oder stechend, nicht als Druckgefühl)
«Wir Ärztinnen und Ärzte müssen uns dieser Unterschiede bewusst sein, um Herzinfarkte bei Frauen frühzeitig zu erkennen und nicht zu übersehen“, betont Dr. Peter Burger.
Grundsätzlich gelten für Frauen die gleichen Präventionsmassnahmen wie für Männer. Wie genetische, anatomische und hormonelle Unterschiede Krankheitsentstehung, Diagnosen und Prognosen beeinflussen, erfahren Sie im KPT-Talk mit Kardiologin Prof. Dr. Cathérine Gebhard.
Wie sollte man bei einem Herzinfarkt reagieren?
Ein Herzinfarkt ist ein akuter medizinischer Notfall. Je schneller ärztliche Hilfe erfolgt, desto grösser die Chance, den Herzmuskel vor bleibenden Schäden zu schützen. Viele Betroffene unterschätzen die Beschwerden oder zögern zu lange. «Es gilt: Zeit ist Herzmuskel!», sagt Dr. Peter Burger. Je früher ein verschlossenes Gefäss eröffnet werden kann, umso besser kann sich der betroffene Herzmuskel wieder erholen.
Warnzeichen ernst nehmen – sofort handeln bei folgenden Symptomen:
- Starke Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Ausstrahlung in Arme, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
- Atemnot, kalter Schweiss, Übelkeit, Schwindel, Angstgefühl
Was tun im Ernstfall?
Wenn Sie selbst betroffen sind oder eine andere Person Anzeichen zeigt:
- Notruf 114 absetzen
- Ruhig bleiben, Betroffene nicht allein lassen
- Nicht selbst ins Spital fahren – lieber auf den Rettungsdienst warten
- Bequeme Lagerung ermöglichen (z. B. halbsitzend)
- Falls möglich: Blutdruck und Puls kontrollieren
- Bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung: Herzdruckmassage starten
«Im Zweifel sollte man nicht zögern – besser einmal zu viel den Notruf wählen als zu spät reagieren», rät Dr. Peter Burger. Die Sanität kann bereits vor Ort erste Medikamente verabreichen und eine sichere Versorgung auf dem Weg ins Spital gewährleisten. In der Notaufnahme erfolgt sofort eine Herzstromkurve (EKG) sowie eine Blutabnahme. Mithilfe dieser beiden Massnahmen kann rasch zwischen Herzinfarkt und anderen Brustschmerzen unterschieden werden.
Wird der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt bestätigt, folgt umgehend die gezielte Behandlung – etwa durch einen Herzkatheter, um das verschlossene Gefäss wieder zu öffnen.
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FAQ – Herzinfarkt-Prävention
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