
Prävention/Krankheiten | 9.4.2026
Niedriger Blutdruck: Symptome und Ursachen
Niedriger Blutdruck ist meist harmlos – kann aber Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme verursachen. In manchen Fällen führen die Symptome zu Ohnmacht und Stürzen. Wie Sie Warnzeichen rechtzeitig erkennen und den Kreislauf gezielt stabilisieren, erklärt Dr. med. Gözde Polat, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin im Ärztezentrum Liestal.
Was ist niedriger Blutdruck (Hypotonie)?
Von niedrigem Blutdruck bei Frauen spricht man in der Praxis bei gemessenen Werten unter 100/60 mmHg, bei Männern unter 110/70 mmHg. Der erste «systolische» Wert gibt den Druck an, wenn das Herz Blut in die Gefässe pumpt, der zweite «diastolische» misst den Druck während der Herzentspannung.
Ein einzelner Messwert ist wenig aussagekräftig; zuverlässige Aussagen erfordern Messungen an mehreren Tagen, jeweils zur gleichen Tageszeit und in Ruhe.
«Bei jungen, gesunden Menschen ist niedriger Blutdruck meist unproblematisch», sagt Dr. Gözde Polat. Im Gegensatz zu Bluthochdruck, bei dem man den Blutdruck senken sollte. «Entscheidend sind nicht die Werte allein, sondern das Wohlbefinden. Gefährlich wird es bei starkem Schwindel, wiederholter Ohnmacht oder Alltagsbeeinträchtigungen. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder Herzrasen sollte sofort ärztliche Hilfe eingeholt werden.»
Welche Symptome können bei niedrigem Blutdruck auftreten?
Typische Beschwerden sind:
- Schwindel, besonders beim schnellen Aufstehen
- Schwarzwerden vor den Augen, Unsicherheit beim Gehen
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme
- Kalte Hände und Füsse, Blässe
Durch den niedrigen Druck erhalten Gehirn, Herz und andere Organe kurzfristig weniger Blut und Sauerstoff. Der Körper versorgt in solchen Momenten zuerst die lebenswichtigen Organe, was kalte Extremitäten erklärt.

Weisen Frauen andere Symptome auf?
Frauen zeigen häufiger Symptome von niedrigem Blutdruck – vermutlich wegen hormoneller Unterschiede, insbesondere durch den Einfluss von Östrogen und Progesteron. Kreislaufbeschwerden treten oft in bestimmten Lebensphasen verstärkt auf:
- In der Schwangerschaft: Die Blutgefässe erweitern sich, wodurch der Blutdruck physiologisch absinken kann. Bei neu auftretenden oder starken Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
- Im Menstruationszyklus: Besonders in der zweiten Zyklushälfte oder bei starker Periode mit Blutverlust kann der Kreislauf instabiler werden.
- In den Wechseljahren: Hormonelle Veränderungen können die Blutdruckregulation zusätzlich beeinflussen.
Typische Symptome bei Frauen
- Schwindel
- Schwarzwerden vor den Augen
- Kreislaufkollaps beim längeren Stehen
- stärkere Müdigkeit
- Antriebslosigkeit und häufiges Frieren.
Dr. Gözde Polats Empfehlungen für Frauen
In der Schwangerschaft: Viel trinken (mindestens 2 bis 2,5 Liter täglich, bei Hitze mehr), sich ausgewogen und mit normaler Kochsalzzufuhr ernähren, leichte Bewegung durch Spazierengehen, Schwimmen oder leichtes Yoga. Langes Stehen vermeiden, zwischendurch Beine hochlegen und – falls ärztlich empfohlen – Stütz- oder Thrombosestrümpfe tragen.
Im Zyklus und bei starker Periode: Auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen und B-Vitaminen achten. Ausgeprägte Müdigkeit oder Schwindel ärztlich abklären lassen. Krafttraining kann den Kreislauf langfristig stabilisieren, ebenso ausreichend Schlaf und gezielter Stressabbau, z. B. durch Atemübungen.
In den Wechseljahren: Neben allgemeinen Massnahmen können auch pflanzliche Präparate wie Isoflavone, Rotklee oder Traubensilberkerze das Wohlbefinden unterstützen.
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Was sind Ursachen für niedrigen Blutdruck?
Niedriger Blutdruck hat vielfältige Ursachen und wird in drei Hauptformen unterteilt:
Wie wird die Diagnose bei niedrigem Blutdruck gestellt?
Messen Sie Ihren Blutdruck an mehreren Tagen, möglichst zur gleichen Tageszeit. Zuvor sollten Sie etwa 30 Minuten lang keinen Kaffee trinken, nicht rauchen und sich körperlich nicht anstrengen. Gemessen wird am Arm in Herzhöhe, nach ein paar Minuten Ruhe im Sitzen, mit angelehntem Rücken, flach aufgestellten Füssen.
Bei unklaren Fällen hilft eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden.
Um festzustellen, ob der Blutdruck beim Aufstehen stark absinkt, wird ein Orthostase-Test durchgeführt: Zunächst wird im Liegen gemessen, dann nach einer und nach drei Minuten im Stehen. Ein deutlicher Abfall spricht für eine orthostatische Hypotonie.
Zusätzlich können Laboruntersuchungen mögliche Ursachen wie Blutarmut oder hormonelle Störungen aufdecken.
Was tun bei niedrigem Blutdruck?
Eine einfache, aber wirksame Massnahme bei niedrigem Blutdruck ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. «Wer täglich mindestens 2 bis 2,5 Liter trinkt – bei Hitze oder sportlicher Aktivität auch mehr – hilft dem Körper, das Blutvolumen stabil zu halten», sagt Dr. Gözde Polat.
Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Ernährung. Nährstoffe wie Eisen, Vitamin B12 und Folsäure sind wichtig für die Blutbildung. Magnesium und Kalium unterstützen Herz- und Muskelaktivität. Und Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme. Falls keine Herz- oder Nierenerkrankung vorliegt, kann eine erhöhte Zufuhr von Salz unterstützen, zum Beispiel durch Bouillon, gesalzene Nüsse oder Oliven.
Tipps für den Alltag bei niedrigem Blutdruck:
- Kompressionsstrümpfe fördern den Blutrückfluss aus den Beinen zurück zum Herzen.
- Machen Sie Wechselduschen mit warmem und kaltem Wasser, es trainiert die Gefässreaktion.
- Stehen Sie langsam auf, vor allem morgens oder nach längerem Sitzen, um Schwindel zu vermeiden.
- Lagern Sie in Ruhepausen Ihre Beine hoch, auch bei Schwindel oder Schwäche, um den Blutrückfluss zum Herzen zu erleichtern.
- Stehen Sie morgens langsam auf: Bewegen Sie zuvor Ihre Beine ein paar Mal oder spannen Sie sie an.
- Vermeiden Sie lange Stehzeiten – bleiben Sie wenn möglich in Bewegung.
3 Übungen als Sofortmassnahmen:
- Beine im Stehen überkreuzen und anspannen.
- Auf die Zehenspitzen stellen und Wadenmuskeln kräftig anspannen.
- In die Hocke gehen.
Diese Übungen steigern den venösen Rückfluss und können den Blutdruck kurzfristig stabilisieren.
Zu welchem Arzt bei niedrigem Blutdruck?
Leiden Sie unter Ohnmacht, wiederholten Kreislaufzusammenbrüchen, Sturzverletzungen oder neu auftretenden Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot oder Brustschmerzen, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.
Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Sie klären Ursache ab und überweisen Sie bei Bedarf an Fachärzte – etwa an eine Kardiologin bei Herzproblemen oder an einen Neurologen bei Verdacht auf Störungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose oder Parkinson.
Kann man einem niedrigen Blutdruck vorbeugen?
«Am besten unterstützt man den Kreislauf bewusst im Alltag», erklärt Dr. Gözde Polat. Regelmässige Bewegung ist dabei zentral: Spaziergänge, moderates Ausdauertraining wie Radfahren oder Schwimmen sowie leichtes Krafttraining stärken Muskeln und Kreislauf und fördern die Elastizität der Blutgefässe.
Neben Sport helfen regelmässige Mahlzeiten mit ausreichend Eiweiss und komplexen Kohlenhydraten, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Auch Stressabbau durch Atemübungen, Yoga oder bewusste Entspannungsphasen trägt zur Kreislaufstabilität bei.
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Häufige Fragen – Niedriger Blutdruck
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