Die Behandlung von Bruxismus richtet sich nach Ursache, Beschwerden und Ausprägung. «Nicht jeder Bruxismus muss behandelt werden», betont Prof. Türp. Eine Therapie sei vor allem bei Schmerzen in den Kaumuskeln oder Kiefergelenken sowie bei starkem Zahnabrieb nötig.
Bei der Behandlung kommen laut Prof. Türp vor allem drei Massnahmen infrage, die man mit «SMS» abkürzen kann.
Selbstbeobachtung («S»)
Viele Betroffene pressen ihre Zähne tagsüber unbewusst aufeinander. Um dieses Verhalten besser wahrzunehmen, empfiehlt Bruxismus-Experte Prof. Türp folgende Übung:
- Punkte kleben: Bringen Sie für zwei bis drei Tage farbige Klebepunkte an Orten an, die Sie im Alltag oft sehen (z. B. am Spiegel, am Fenster oder an der Schrankinnenseite).
- Prüfen: Jedes Mal, wenn Ihr Blick auf einen Punkt fällt, fragen Sie sich: Berühren sich meine Zähne gerade?
- Kieferhaltung kontrollieren: In entspannter Haltung besteht normalerweise ein kleiner Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer. Berühren sich Ihre Zähne regelmässig, ist das ein Zeichen für unbewusstes Pressen.
Zusatz-Tipp: Tragen Sie tagsüber häufig ein Kaugummi oder einen Kirschkern im Mund. Das hilft, den Kiefer locker zu halten und den Kontakt zwischen Ober- und Unterkiefer zu verringern. So pressen Sie die Zähne seltener unbewusst aufeinander.
Muskelentspannung («M»)
Da Stress und Anspannung das Zähnepressen und -knirschen verstärken können, empfiehlt Prof. Türp regelmässige Entspannungsübungen wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
Schiene («S»)
Im Schlaf getragene Schienen – fachsprachlich Okklusionsschienen, umgangssprachlich auch Knirscherschienen genannt – schützen die Zähne vor Abrieb und verteilen die auftretenden Kräfte gleichmässiger.
Für Personen ab 16 Jahren gilt die sogenannte Michigan-Schiene als Goldstandard. Bei Jugendlichen wird dagegen eine weichere Schiene empfohlen.
Die Schiene wird individuell von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt mit Unterstützung eines zahntechnischen Labors angefertigt und angepasst. Sie schützt die Zähne und trägt zu einer günstigeren Belastung der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke bei.
Von Fertigschienen aus dem Internet rät Prof. Türp ausdrücklich ab. Nicht individuell angepasste Produkte können unerwünschte und möglicherweise sogar dauerhafte Folgen haben.
Was kostet eine Michigan-Schiene («Knirscherschiene»)?
Je nach Aufwand und Region kostet eine Michigan-Schiene («Knirscherschiene») zwischen 500 und 800 Franken. Hinzu kommt das zahnärztliche Honorar.
In der Regel sind vier Termine erforderlich: Die Schiene wird beim zweiten Termin ausgehändigt und angepasst, anschliessend folgen zwei Kontrolltermine.
Die Grundversicherung übernimmt diese Kosten normalerweise nicht. Eine finanzielle Beteiligung an der Schiene über eine Zahn-Zusatzversicherungen ist je nach Versicherung möglich.
Weitere Therapien bei Zähneknirschen
Bei stärkeren Beschwerden können zusätzliche Massnahmen gegen Bruxismus sinnvoll sein. Darunter fallen beispielsweise:
- Eigenmassage der Kaumuskulatur
- kieferbezogene Physiotherapie
- Medikamente zur Muskelentspannung
- Softlaser-Therapie
Botulinumtoxin («Botox») sollte laut Prof. Türp nur in hartnäckigen Fällen eingesetzt werden, wenn die genannten Behandlungen nicht ausreichend helfen.